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Alt 30.10.2018, 17:25   #1
helmut
Züchter HSK
 
Registriert seit: 26.12.2013
Ort: Bad Berleburg
Beiträge: 67
Standard Tabak und Wurzelläuse

Seit ein paar Jahren finde ich immer wieder weiße Nester im Wurzelbereich einiger Kakteen. Zuerst dachte ich es sei ein Pilz, bis ich sah, dass sich ca. 2mm lange weiße Teilchen davon lösten und langsam im Erdreich verschwanden.
Ich habe letztes Frühjahr alle Kakteentöpfe (so um die 3000) in BI58 Lösung getaucht und trotzdem diesen Sommer wieder beim Umpflanzen gelegentlich Minikrabbler gefunden. Trotz Tierliebhaber und Vegetarier goss ich erneut alle Kakteen mit BI58 - alle anderen Insektizide sind mir bei der erfordelichen Menge zu teuer. Jetzt, beim herbstlichen Einräumen, kippten zwei Töpfe um und in einen zeigten sich wieder diese kleinen Ungeheuer. Obwohl ich Nichtraucher bin, überlege ich mit aller Vorsicht und Handschuhen im Frühjahr mit einer verdünnten Lösung aus eingeweichtem Tabak (100 Gramm mit 5l kochendem Wasser übergossen und den Sud auf 80 l verdünnen) zu behandeln (Tauchbad). Möglicher Weise ist das verboten? Oder sind nur Handelslösungen auf dieser Basis verboten? Spritzen will ich diese Lösung auf keinen Fall.
Außerdem habe ich mir überlegt, demnächst beim Anmischen des Pflanzsubstrates ein wenig zerrieben Tabak mit unter zu mischen, um prophylaktisch einen Befall zu verhindern. Zumindest wäre die Anwendung von Tabak preisgünstig. Da keine essbaren Pflanzen behandelt werden und das Nikotin im Boden durch Bakterien abgebaut wird, entsteht kein Umwelt- und Personenschaden - außer möglicherweise für den unvorsichtigen Anwender.

Hat jemand Erfahrungen mit entsprechenden Maßnahmen? Oder sollte dieses Thema wegen Verbotes hier nicht diskutiert werden oder gibt es im Chat bereits Kommentare hierzu? Kann der Tabakmosaikvirus die Kakteen befallen und so eingeschleppt werden?

Na, ich bin auf Eure Kommentare gespannt.
Liebe Grüße
Euer Giftmischer Helmut
helmut ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.10.2018, 22:07   #2
Patrick
Züchter PNO
 
Benutzerbild von Patrick
 
Registriert seit: 28.04.2011
Ort: Saarland
Beiträge: 399
Standard

Ja, Nikotin ist halt sehr giftig und von der Benutzung als Pestizid wird deswegen eigentlich generell abgeraten. Es gibt da wohl auch wirkungsvollere Neonikotinoide die man einsetzen könnte. Ich glaube nicht dass man reine Nikotin Lösungen in Pestizidform bekommt (ausser Liquids für Ezigaretten) weil das aufgrund der Giftigkeit keine Zulassung bekommen würde. Theoretisch würde es wohl funktionieren, aber es tritt wahrscheinlich schnell eine Resistenz ein und Du könntest auch eventuell Probleme mit Tobacco Mosaic Viren bekommen die man sich einschleppen könnte. Aber ich glaube das Risiko was das angeht ist überschaubar. Meistens findet eine mechanische Infektion statt, sprich durch Pfropfen. Aber die Gefahr besteht durchaus.

Geändert von Patrick (30.10.2018 um 22:52 Uhr).
Patrick ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.10.2018, 03:27   #3
Kaktus Michi
Züchter MK
 
Benutzerbild von Kaktus Michi
 
Registriert seit: 15.12.2009
Ort: Pittenahrt
Beiträge: 708
Standard

super Darstellung Patrick! Es wird generell davon abgeraten, weil das Zeugs wirklich nicht zu verharmlosen ist- das Problem ist- wer das noch nicht weiß- dass die vermeintlich für Menschen harmlose Brühe (man kann das Zeug ja auch rauchen und passiert nix )- auch massiv durch die Haut bei Kontakt aufgenommen wird und es bereits da zu tödlichen(!) Komplikationen kommen kann-
Es hilft nix, hier zu sparen ist komplett die falsche Einstellung. Ich denke, es gehört in erster Linie einmal überlegt woran das liegt, dass diese Biester ständig nerven- und demenstprechend gehandelt, vorgebeugt- ich denke, dass hier schlicht in der Kulturführung ein Problem liegt. Zuviel Torf im Substrat, schlechte Luftbewegung, zu enger Stand, Anstaubewässerung....überleg einmal- dann hilft auch nichts wie den gesamten(!) Bestand mit einem systhemischen(!) Mittel zu behandeln. Meiner Erfahrung nach ist ein Mittel mit dem Wirkstof Imidichlopird (Confidor, Waran) nach wie vor unschlagbar. Ich musste dieses Jahr selber das 1. x seit etlichen Jahren reagieren, nachdem ich mir von einem Bekannten einen vermeintlich schönen Echinocactus polycephalus ins Haus stellte, ohne groß vorher zu kontrollieren, es war einfach auch nicht die Zeit dazu- . Im Winter entdeckte ich dann bei einem danebenstehenden Fero Wolläuse an der Basis- und die Alarmglocken schlugen an - Konsequenz- ich goss alles(!) was auf meiner Anlage nach Kaktus/Sukkulente roch oder aussah und musste 4,5m³ Brühe vergießen- das war nicht nur elendig viel Arbeit, sondern finanziell nicht gerade ein Schnäppchen, und vor allem zwingend nötig um eine Ausbreitung zu vermeiden. Ich habe Wurzelläuse in meinem Bestand erst ein einziges mal entdeckt- aber das war nur an wenigen Pflanzen die damals dem Heizungsgebläse ausgesetzt waren- wünsche gute Besserung! Und vor allem konsequentes Handeln, auch bevor(!) es soweit kommt- bedeutet auch, jegliche Neuzugänge vorab zu behandeln-
__________________
Avatarbild zeigt die "geilste" Selektion aus der Kreuzung L.ferox x pampana bei den Hofers die "Feuergöttin Chensit" (Bild stammt von Manfred aus Dessau)
Kaktus Michi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.10.2018, 10:07   #4
Astrophytum
Erfahrener Benutzer
 
Benutzerbild von Astrophytum
 
Registriert seit: 26.03.2010
Ort: Bayern
Beiträge: 590
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Auch ich hatte mal Wurzelläuse. Das gemeine du siehst die nicht gleich. Es bleibt mal ein kaktus im Wachstum stehen oder einer der schwächelt, sonst siehst du nix. Seit damals prüfe ich alle Neuzugänge genau und sprühe die Wurzeln aller Neuzugänge. Beim ausstopfen finde ich in bestimmt 30% aller Pflanzen Schädlinge, wolläuse wurzelläuse spinnmilben. Ganz bringt man die eh nicht mehr weg, so sehe ich das. Wenn ein Befall zu erkennen ist wird gehandelt. Bei jedem austopfen untersuche ich die Pflanzen mit der lupe. Wurzeln und auch der Körper. Wenn ich nix finde ist gut. Vorbeugend würde ich nicht Giften.
Viele Grüße Heinz
Astrophytum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.10.2018, 17:17   #5
Rainer
Züchter RW
 
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Registriert seit: 19.12.2009
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Ich nehme Aktara und seitdem hab ich Ruh.Lg Rainer
Rainer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.10.2018, 17:45   #6
muddyliz
Benutzer ESP
 
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Beiträge: 3.148
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Zitat:
Zitat von Rainer Beitrag anzeigen
Ich nehme Aktara und seitdem hab ich Ruh.Lg Rainer
Ebenso. Aber Aktara gibt es mittlerweile nicht mehr. Mospilan dürfte eine Alternative sein.
__________________
Meine Kakteenhomepage: http://esp-kakteen.npage.de/
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muddyliz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.11.2018, 09:54   #7
Kaktus Michi
Züchter MK
 
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Registriert seit: 15.12.2009
Ort: Pittenahrt
Beiträge: 708
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Mospilan wirkt leider nicht so gut- das hatte vor x- Jahren Herr Kahler schon feststellen müssen- ich denke, Imadichloprid ist nach wie vor unschlagbar und ohne Konkurrenz- also Leute- horten, weil ab 2019 gibts das nicht mehr...
__________________
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Kaktus Michi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.11.2018, 11:29   #8
Gotthard
Züchter GK
 
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Ort: Mattersburg
Beiträge: 105
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Zitat:
Zitat von muddyliz Beitrag anzeigen
Ebenso. Aber Aktara gibt es mittlerweile nicht mehr. Mospilan dürfte eine Alternative sein.

Doch gibt es!
Auf Ebay Polen und Italien wird es regelmässig angeboten. Aber als Suchbegriff so eingeben: Actara

Keine Probleme beim Versand oder Zoll, da EU!
Gotthard ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.11.2018, 09:00   #9
Hardy
Züchter EHT
 
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Registriert seit: 30.11.2013
Ort: Haltern am See
Beiträge: 880
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Hallo Helmut, ich habe mal eine Interessante Diskussion gefunden.

https://forum.mein-schoener-garten.d...ic.php?t=12538
__________________
Gruß Hardy

für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance
Hardy ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 18.11.2018, 01:43   #10
helmut
Züchter HSK
 
Registriert seit: 26.12.2013
Ort: Bad Berleburg
Beiträge: 67
Standard

Vielen Dank für Eure Kommentare, Ratschläge und Warnungen. Sicher ist TabakSud sehr giftig. Ich würde ihn daher auch keinesfalls versprühen wegen der Gefahr der Inhalation des Sprühnebels und beim Gießen jeden Hautkontakt vermeiden. Da es mir nur um Wurzelläuse ging, kommt für mich ohnehin nur eine Gießbehandlung in Frage.
Zu Confidor/Waran mit dem Inhaltsstoff Imidachloprid habe ich einen Artikel gefunden, der mich bezüglich der Anwendung sehr nachdenklich macht: https://www.nabu.de/imperia/md/conte...nsektizide.pdf
Vorallem die lange Halbwertszeit von über einem halben Jahr finde ich bedenklich. Auch wenn ich das Mittel zunächst nur im Blumentopf im Gewächshaus verwende, werde ich in ein bis zwei Jahren das Substrat tauschen - und dann befindet sich immer noch ein Viertel bzw. ein sechzehntel des Wirkstoffs in der Erde. Wo soll ich das entsorgen? Sicher nicht auf dem Komposter oder sonst im Pflanzgarten. Selbst auf einem Feldweg wäre das eine Umweltbelastung (siehe obigen Artikel). Wenn ich so 30 Kakteen umtopfe, ergibt sich schnell ein Eimer alten Substrates - für Hausmüll zu viel - Sondermüll?
Nikotin aus einen TabakSud wird schnell abgebaut. Hierzu ein Zitat aus WIKIPEDIA: "Reines Nicotin wurde früher im Pflanzenschutz als Pestizid gegen saugende oder beißende Insekten (unter anderem Blattläuse) eingesetzt. Für Pflanzen ist der Stoff gut verträglich und zudem biologisch gut abbaubar. Aufgrund der hohen Toxizität besteht für Nicotin jedoch seit den 1970er Jahren ein Anwendungsverbot. Synthetisch hergestellte Insektizide wie beispielsweise E605 wurden als Ersatz verwendet. Andere natürliche Nicotinoide und synthetische Neonicotinoide werden als Insektizide vor allem für die kommerzielle Anwendung entwickelt.[9][80]"

Das von mir bisher benutzte Dimethoat (BI 58) hat übrigens auch eine kurze Halbwertszeit - scheint aber nicht so durchschlagend zu wirken.

Michael hat Confidor (Imidachloprid) empfohlen mit dem Rat, es aus Italien oder Polen zu beziehen. Trotz meiner Vorbehalte gegenüber dem Mittel habe ich bei Ebay nachgeschaut und bei allen - auch den ausländischen - Angeboten den Hinweis gelesen " nur mit Lizenz kaufen" bzw. "nur für den beruflichen Anwender", "Sachkundenachweis", "Rückruf erforderlich"... Steht das nur formhalber in den Angeboten oder verlangen die Verkäufer wirklich entsprechende Nachweise?
Kulturfehler? Mein Substrat mische ich selbst: ca. 40%Bims (grob mit Feinanteil), 20%Blähschiefer, 20%Seramis Kakteen und Sukkulenten Substrat, 10%Kieselgur und 10%Compo Kakteenerde; kein Anstaugießen; vielleicht zu wenig Luftzirkulation - aber davon bekommen die Wurzelläuse nix mit.

Der Link von Hardy hat mir Mut gemacht, es doch mit Tabak zu versuchen. In mein Substrat habe ich jetzt einfach Tabak gemischt - spätestens beim Gießen im Frühjahr wird dann das Nikotin freigesetzt. Leider konnte ich bisher nichts bezüglich der Dosierung finden. Ich habe jetzt ein Buch von 1932 "Tabakextrakt und Nikotin als Pflanzenschutz" bestellt - vielleicht werde ich daraus etwas schlauer...

Noch ein paar Fotos für alle, die nicht wissen, wie Wurzelläuse aussehen.
Foto 1 und 2 "Wurzellausnest" im Substrat
Foto 3 Zwei Wurzelläuse krabbeln auf einer Steinplatte
Foto 4 Wurzellaus auf meiner Hand
LG
Helmut
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helmut ist offline   Mit Zitat antworten
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